Familiengeschichte der

B o e g e r/B ö g e r

750jährige Geschichte des lippischen Bauerngeschlechts „Böger“.
Von August Böger, Waddenhausen  (aus „Lippische Blätter für Heimatkunde“ Nr. 5 / 1960).

Das Staatsarchiv in Detmold ist reich an erforschter lippischer Heimat- und Familiengeschichte. Es ist erstaunlich, wie aufschlussreich frühere Heimatforscher wie Preuß, Schwanhold, Weber und Richard Böger lippische Familiengeschichte erforscht haben. Die nachfolgenden Ausführungen habe ich hauptsächlich aus diesen Quellen des Staatsarchivs entnommen, sodann auch aus der sehr interessanten Chronik meines Heimatdorfes Augustdorf sowie den Kirchenbüchern dieser und anderer Gemeinden.
Die Familie Böger ist wohl das älteste urkundlich namhaft gemachte lippische Bauerngeschlecht. Um 1200 lebte in der von der Bega durchflossenen Bauernschaft Hillentrup ein Meier Hermann Biege, der als Stammvater der heute in Lippe und anderen Teilen unseres Vaterlandes weitverzweigten Familie Böger gilt. Die oben genannten lippischen Heimatforscher führen den Namen „Böger“ mit seinen verschiedenen Abwandlungen wie Bieger, Biegher, Boger, Bogher, Boyer, Beuger, Boiger auf den lippischen Flusslauf der „Bega“, plattdeutsch „Biege“ zurück. Die älteste Form des Namens ist Biege, Beiger, Boger, woraus sich endlich Boiger, Beuger und Böger urkundlich nachweisbar entwickelt hat.
Um 1200 war also ein Hermann „Biege“ Meier zu Hillentrup (Heute vielleicht Meyer zu Dörentrup?). Sein Sohn Cordt (Conrad) war ein verwegener junger Bursche, dem das einfache und friedliche Leben eines Landmannes nicht zusagte. Er trat in den Dienst des Grafen Volkwin III. zu Schwalenberg. Dort wurde er Kriegsmann und wohlgeübter Bogenschütze. Seine Stunde der Bewährung kam. Im Jahre 1225 wurde Erzbischof von Köln, Engelbert, auf einer Reise durch Gefolgsmannen des Grafen Friedich von Isenburg bei Gevelsberg ermordet. Der Verdacht der Täterschaft fiel auf den Grafen Volkwin III. In der dann ausbrechenden Fehde wurde auch die Grafschaft Schwalenberg durch das kölnische Heer belagert. Bei der Verteidigung der Burg Volkwin III., Alt-Schwalenberg, zeichnete sich der Bogenschütze Cordt Böger als Scharfschütze besonders aus, so dass der Feind trotz langer Belagerung die Burg nicht nehmen konnte und endlich geschlagen abziehen musste. Volkwin III. belohnte Cordt Böger nach dieser erfolgreichen Verteidigung der Burg mit Lehen bei Barntrup, Blomberg, Bentrup und Silixen. Das Lehen bei Silixen bildete den Grundstock des heutigen „Bögerhof“ im Extertal. Cordt Böger blieb im Dienste Volkwin III. Dessen Sohn Heinrich I. baute um 1250 die Burg Sternberg. Cordt Böger trat als Burgkastelan in seine Dienste und starb 1256 auf Burg Sternberg.
Die Nachkommen Cordt Bögers haben die Lehen selbst bewirtschaftet. Im Saalbuch von 1591 wird als Besitzer des Bögerhofes im Extertal ein Johann Böger genannt, der im Besitze eines Freiheitsprivileges und somit nicht leibeigen war. Um 1700 war ein Bernhard Böger Besitzer des Hofes. Man nannte den Hof „Böger vor dem Rohbraken“. Auch auf das Gut Rohbraken wurden von den Bögers alte Rechte geltend gemacht. Dann kann ein Johann Friedrich Böger, der 1716 starb. Erst 1896 wurde aus dem alten Bauernhofe der Gasthof „Bögerhof“, zu dem heute noch 22 Ha Land und die Fischteiche gehören. Der Eigentümer heißt heute noch Böger. Es dürfte ziemlich einmalig sein, dass derselbe Name 700 Jahre lang auf einem Hofe geblieben ist.
Zahlreiche Nebenlinien haben sich im Laufe der Jahrhunderte von den Nachgeborenen Söhnen der alten Meierfamilie Böger aus Hillentrup abgezweigt, und des Geschlecht des verwegenen Kriegsmannes und geübten Bogenschützen Cordt Böger ist mit zahlreichen alten lippischen Bauernfamilien versippt. Die Nachkommen Cordt Bögers gründeten auf den Lehen bei Barntrup, Bloberg und Bentrup Nebenlinien der Familie Böger.
Die Güter Röhrentrup und Obernhausen sowie das Gut in Heiden (seit 1722 Avenhaus, zunächst als Pächter) gehörten den Bögers. Auch manche Gelehrte sind von diesen Gütern und Höfen gekommen. Aus der Silixer Linie studierte ein Heinrich „Beigher“ oder „Bogher“ Theologie und war um 1500 Rektor und Doktor der Theologie zu Braunschweig. Ein Hermann Böger, ebenfalls vom Bögerhof im Extertal stammend, war 1540 Bürgermeister in Höxter. Vom Gut in Heiden kam 1621 ein Johann Heinrich Böger. Als Student wurde er von der Universität gewiesen, weil er in einer Mädchengeschichte seinen Rivalen im Duell erstochen hatte. Der Brief an seien Vater und dessen Antwort sind abschriftlich im Staatsarchiv erhalten. Der Sohn will das studieren aufgeben und Soldat werden. Er bittet den Vater um Pferd, Sattel und Ausrüstung, damit er sich auf den Musterungsplätzen sehen lassen könne. Der Vater überlegt mit der Mutter. Sie durchschauen den Sohn, der den Skandal an der Universität verschwiegen hat. Aber der Vater willigt scheinbar ein, schreibt aber, er solle in die lippische Ritterschaft eintreten, weil sein Bruder keine Lust dazu habe. Zum studieren sei sein Sohn wohl zu dumm. Dadurch wurde das Ehrgefühl des Jungen angespornt. Er ging dann zu einer anderen Universität und machte dort den Doktor beider Rechte;(gmeint ist wohl das kirchliche und das weltliche Recht). Graf Johann Bernhard ernannte in später zum lippischen Rat. Weil er aber zu offen seine Meinung sagte und sich mit den Hofdamen verkrachte, musste er gehen. Aber er fiel die Leiter hinauf. Er wurde Syndikus beim schwedischen Kanzler Oxenstierna in Osnabrück. Dort arbeitete er 1648 am Westfälischen Frieden mit. Zu Ansehen und Würden gekommen, kam er einst zu Besuch nach Detmold. Es bestand noch der alte Konflikt mit dem Grafen, der eine Abordnung zu ihm in den Gasthof sandte. „Hochgelahrter und hochwohlgeborener Herr“ wurde er angeredet. Aber Böger fuhr dazwischen: „ich bin weder hochgelahrt noch hochwohlgeboren, aber ihr seid Kriecher vor eurem Grafen, der ein altes Weib ist. Und ihr wollt Lipper sein!“. Es drohte ein Prozess wegen Beleidigung des Landesherrn, aber der Graf gab nach. Ein Nachkomme dieses Doktors beider Rechte kam nach Frankreich und von dort mit Voltaire an den Hof  Friedrichs des Großen. Auf der Rückreise nach Frankreich besuchte er seine Verwandten in Lippe.

Berühmte Soldaten aus der Sippe Böger
Über das Gut in Heiden kam großes Leid. Böger hatte auf der Gauseköte bei einer lippischen Jagd irrtümlich seinen ältesten Sohn erschossen. Der zweite Sohn floh nach Holland, weil er dem Gerücht glaubte, sein Vater habe seinen Bruder nicht irrtümlich erschossen. Der Pastor in Heiden beteiligte sich an dem Gerücht. Leute aus dem Dorfe überbrachten es dem alten Böger, der sie aus dem Haus verwies. Seine weinende Tochter tröstete er: „sei still, man kann nicht alle kläffenden Hunde tot treten, aber wenn des ein Christ sein will (der Pastor), dann will auf meine alten Tage noch ein Heide werden“. Einst kamen Vollziehungsbeamte auf das Gut, um die Steuer für die Ritterschaft einzutreiben. Böger trat ihnen mit geladenem Gewehr im Anschlag entgegen, worauf sich diese zurückzogen und nie wieder auf das Gut kamen. Dabei ging es Böger nicht um das Geld, sondern um das Prinzip. Seiner Meinung nach hatte diese Steuer für das Gut keine Rechtsgrundlage. Man wollte zur lippischen Bauernschaft gehören und nicht zur Ritterschaft. – Ein Amtsrichter Böger in Lage stammte ebenfalls aus Heiden. – Folgende berühmte Soldaten sind aus der Sippe Böger hervorgegangen: vom Gut in Röhrentrup stammte Phillip Adolf Böger, der am 23. Juni 1767 als Sohn des lippischen Leutnants Simon Heinrich Adolf Böger geboren und auch Soldat wurde. Er machte die ganze Franzosenzeit unter der Fürstin Pauline mit und führte die Lipper in dem Feldzuge nach Spanien (1809/10). Seine Frau zog mit. Sie wurden in Spanien geschlagen und kamen in englische Gefangenschaft. Nach Jahren kehrten sie nach Lippe zurück. 1832 feierte der Obrist Böger (Oberst, ranghöchster Offizier in Lippe) sein 50-jähriges Dienstjubiläum. Ich bin nicht ganz sicher, ob dies derselbe Böger war, der den Spanienfeldzug mitmachte.
Das Amt des lippischen Waldvogtes war meistens mit den Gütern in Heiden oder Rohrentrup verbunden. Einst kam ein neuer Graf und setzte Böger als Waldvogt ab. Darauf ein geharnischter Brief von Böger an den Grafen. Böger warf dem Grafen vor, er habe Ausländer als Ratgeber (wer von außerhalb Lippes kam, war ein Ausländer), der Graf verachte den Rat lippischer Bauern. Das habe es bei seinem Vater nicht gegeben. Böger musste eine Strafe wegen Beleidigung des Grafen zahlen, aber das war ihm der Brief wert. Die Bögers zeichneten sich durch große Offenheit, aber auch durch einen mächtigen Dickschädel aus.
Wie sah es einst in der Senne aus?
„Auch besaß die Familie seit Cordts Zeiten (1520) je einen Königshof bei Hohenhausen und bei Belle“. Die Königshöfe waren in alten Zeiten von den deutschen Königen und Kaisern eingerichtet und wurden von „Majoren“ im Auftrage des Königs verwaltet. Diese Majore waren meist ausgediente Soldaten. Aus dem Wort Major wurde allmählich der Name „Meyer“, die Meierhöfe. Allmählich wurden diese Meier Eigentümer.
„Wegen des Königshofes bei Belle wurden die dortigen Bögers zu den Königsfreien im Wethigau gerechnet. In diesem Gau saß bis in das 19. Jahrhundert hinein noch ein Zweig der Bögers auf dem Dehlenhofe bei Sandebeck, einem Meierhofe von 200 Morgen, der von Lippe relevirte. Von dort zweigten sich um 1500 Linien nach Veldrom, das den Rittern von Brake gehörte, dem Nienwalde und Schöneberg bei Pömbsen ab“. Im lippischen Veldrom handelt es sich um den Hof  Nr. 2, heute Meierjohann. Meierjohann aus Vogelhorst heiratete um 1880 die einzige Tochter des Böger. Von dort stammten nach mündlicher und schriftlicher Überlieferung meine Vorfahren in Augustdorf Nr. 51. 1780 oder 1781 siedelte ein Johann Conrad Böger (abgekürzt Cord, die alten Vornamen kehrten immer wieder) auf dem Dören. Sein wohl unverheirateter Bruder Gerhard Böger kam mit in die Senne. Er stürzte vom Dachgiebel des Hauses. Im Kirchenbuche in Stapelage heißt es: „Gerhard Böger, Neuwohner in Dörenthal. Er starb 55 Jahre alt, am 6. Dezember 1781, nachdem er 15 Tage vorher vom Giebel seines Hauses gefallen war und wurde begraben am 9. Dezember 1781“. Augustdorf gehörte anfangs kirchlich zu Stapelage. Acht Augustdorfer (Dörner) wurden auf dem Friedhof in Stapelage beerdigt. Dann bekam Augustdorf schon einen eigenen Friedhof. Von diesen acht war nach mündlicher Überlieferung einer so arm, dass die Angehörigen keinen Sarg hatten und ihren Toten in einem ausgedienten Backtrog nach Stapelage brachten.
Wie sah es in der Senne aus, als die ersten Dörner sich dort ansiedelten? Es hieß damals „Auf dem Dören“, auch „Dörenthal“ genannt. Der Name „Dören“ kommt von Dornen. Im Plattdeutschen ist es dasselbe Wort: „Dojern“. Die Dörenschlucht war der einzige Pass durch den Teutoburger Wald. Durch die gewaltigen Dornen konnte der Pass leichter verteidigt werden . Ich könnte mir denken, dass schon Hermann der Cherusker (9 n. Chr.) hier in der Dörenschlucht gegen die Römer, die vom Rhein kamen, hinhaltenden Widerstand leistete, um sie dann weiter in die Urgründe des Teutoburger Waldes zu locken, wo er sie dann vernichtete. Wenn einige Wissenschaftler der Meinung sind, die Schlacht gegen die Römer habe an der Weser oder sonst wo stattgefunden, weil man da auch mal ein paar Waffen oder Werkzeuge der Römer gefunden hat, so wird m. E. zu wenig berücksichtigt, dass in unserer lippischen Bevölkerung stets die Überlieferung lebendig war, die Schlacht habe hier stattgefunden. Die Überlieferung kommt nicht durch das Hermannsdenkmal, sondern umgekehrt: weil die Überlieferung hier lebendig war, wurde dasd Hermannsdenkmal in den Teutoburger Wald gesetzt (wie wir heute wissen, irrte August Böger; die Schlacht fand definitiv bei Kalkriese/Bramsche statt).
Drei Hauptwege gingen durch die Senne. Der erste von Berlin kommend durch die Dörenschlucht, der „Unteren Reihe“ entlang (heute die neue Zufahrtstraße zur Autobahn) über Delbrück nach Lippstadt. Dieser Weg hieß darum der Lippstädter Weg. Der zweite ging beim Dörenkrug links ab durch das heutige Lager, bei den „Fünf Buchen“ vorbei über Haustenbeck nach Paderborn. Beide Wege führten weiter an den Rhein und wurden von „Kärrnern“ (Kaufleuten) befahren. Der dritte war der Kohlenweg, „Kollruige“. Die Holzkohle wurde aus dem Teutoburger Walde nach Bielefeld gebracht. Mitunter waren es 20 Gespanne hintereinander.
 In der Senne gab es nur Heide. Der Kiefernbestand kam erst nach der Ansiedlung. Die Heise war bis zu 3 Fuß hoch (ca 1 m) und so dick wie ein Flaschenhals. Diese jahrtausende alte Heide war für die Siedler in der Senne 50 Jahre lang billiges Brennmaterial. Aber für die Schäfer war die hohe Heide ein Ärgernis. Die Wolle der Schafe blieb an der Heide hängen. In ihrer Erbitterung haben die Schäfer um 1790 die Heide angesteckt. Etwa eine Quadratmeile brannte ab. Noch heute heißt diese Gegend „Auf dem Brande“. Aus halb Lippe und aus dem Preußischen kamen die Leute, um durch Gräben das Feuer in die Gewalt zu bekommen. Danach erließ die fürstliche Regierung ein Gesetz, wonach hinfort in der Senne nur noch mit einer „wohlverkapselten Pfeife“ geraucht werden durfte. –Der Name „Schapeler“ kommt von Schafe. Der Hof gehörte zum Meierhofe nach Stapelage und darum heute noch zur Gemarkung Hörste.
Es gab in der Senne mehrere Teiche. Einer war bei den Kirchfichten, ein anderer, der „Knupffühl“, bei „Bauerrichter Böger“ (wahrscheinlich ist Henrich Böger gemeint, ein nachgeborener Sohn des Gründers Cord Böger. Henrich Böger gründete 1806 die Stätte Nr. 82). Auch bei den „Fünf Buchen“ war ein Teich, der zur Tränke für die Kärrner diente. Die heutige Bezeichnung „In den Krippen“ kommt daher, dass die Kärrner zum Füttern ihrer Pferde die Krippen an die Buchen schlugen. All diese Teiche sind mit der Zeit vertrocknet. Das ist verständlich, weil die Heide und das fußhohe Moos als Wasserspeicher immer mehr ausfielen, und weil durch das „Ragohlen“ (tief graben) der Orttsstein durchbrochen wurde, sodass das Wasser in die Tiefe abziehen konnte. Deshalb hat heute Bielefeld einen fast unerschöpflichen Wasservorrat in den Tiefen der Senne. Auch in dem trockenen Sommer 1959 hat Bielefeld keinen Wassermangel verspürt. Solch eine Trockenheit könnte sich höchstens nach Jahren auswirken.
Von Bedeutung für die Senne war das Sennegestüt auf Lopshorn (ein Jagdschloß der lippischen Fürsten, das 1945 durch die Polen aus dem Lager Augustdorf angesteckt wurde und nicht wieder aufgebaut ist, ebenfalls die Meierei Lopshorn und das Forsthaus Hartröhren). Das Sennegestüt wurde schon um 1450 angelegt. Das ursprüngliche Sennepferd soll eine Kreuzung zwischen einem arabischen Hengst und einer dänischen Stute gewesen sein. Es waren sehr zähe Pferde. Napoleon soll auf einem Sennepferd nach Russland geritten sein. Übrigens wussten die alten Augustdorfer von ihren Vorfahren, dass die Truppen Napoleons durch die „Untere Reihe“ (die alte Heerstraße) durch die Dörenschlucht gezogen seien. Napoleon selbst ist aber anscheinend nie in Lippe gewesen (in der Windmühle Fissenknick bei Bad Meinberg steht zwar ein schöner Spruch, wonach Napoleon dort schon durchs Fenster geschaut haben soll). Die wilden Pferde, es gab bis zu 1500 Stück, richteten bei den Siedlern auf dem Dören und zuweilen auch in Stuckenbrok viel Schaden an. Die Preußen verklagten deshalb den lippischen Fürsten beim Reichskammergericht in Wetzlar. Die Pferde blieben auch im Winter im Freien
1775 wurde Augustdorf durch den damaligen Grafen Simon August gegründet, der 1782 starb. Danach kam der Fürst (Lippe wurde Fürstentum) Friedrich Wilhelm Leopold und dann die Fürstin Pauline, die „Unvergessliche“, wie Heinrich Drake mit Recht sagt. Alle drei Herrscher haben viel für Augustdorf getan. 1789 wurde der Name Augustdorf zu Ehren des verstorbenen Grafen Simon August eingeführt. Die Siedler in Augustdorf erhielten 10 Freijahre und 50 Reichssilber zinsloses Darlehen, die später auf 5 Reichssilber erlassen wurden. Jeder Siedler erhielt 20 Scheffelsaat Senne zugewiesen. Der erste Siedler hieß Struß, auch Strußmann genannt, und kam von Pivitsheide. Er bekam als einziger 60 Scheffelsaat durch den Oberförster Böger von Lopshorn in der Dörenschlucht zugewiesen. Struß gründete den Dörenkrug. Aber er taugte nicht. Sein Haus wurde verkauft. Der zweite Dörenkrüger hieß Bergmeister, der die Kaufleute ausplünderte und gelegentlich Menschen umgebracht haben soll. Auch soll er nach mündlicher Überlieferung seine Frau für einen Taler an die Kärrner verkauft haben. Der dritte Dörenkrüger hieß Hagemann. Nun wurde es mit dem Dörenkrug langsam besser.
Streit und Prozesse um das Huderrecht
In feierlicher Zeremonie mit einer Hand voll Erde und einem grünen Zweig wurden die Siedler jeweils durch Vertreter der Rentkammer auf ihren abgeteilten Grundbesitz eingewiesen. Sie erhielten einen Erbpachtbrief. Später wurden sie freie Kolonie. 1786 gab es in Augustdorf schon 37 Stätten, 40 Männer, 41 Frauen, 118 Kinder, 2 Esel, 17 Ochsen, 46 Kühe, 10 Rinder und 21 Ziegen. 1789 fand der Krieg gegen Stuckenbrok statt. Auch gegen Haustenbeck wurde gekämpft. Es ging immer um das Huderecht (huden = hüten). Die Stuckenbroker waren gewohnt, bis in die Dörenschlucht ihr Vieh zu hüten. Auch sagte niemand der streitenden Dörfer wie einst Abraham zu Lot: „Willst du zur Rechten, so gehe ich zur Linken“. Einen Prozess gegen Haustenbeck haben die Augustdorfer verloren und mussten zahlen. Auch die Stuckenbroker behielten Rechte auf lippischem Boden. Bei der Verhandlung im Stuckenbroker Krug wurde eine karte vorgelegt. Die Augustdorfer sollten eine Strickstockbreite abtreten. „Das sei ja nicht viel“, meinten die Vertreter der Dörner und stimmten zu. Hernach stellte sich heraus, dass sie bis an die „Kollruige“ das Huderecht abgetreten hatten. Das waren Niederlagen, die die Augustdorfer Siedler einstecken mussten.
1782 wurde die erste Schule mit vier Kindern in Augustdorf eröffnet. Der erste Lehrer hieß Dreimann und stammte aus Heiden. Es gab zwar mehr Kinder im Dorfe, aber sie kamen nicht. Der Unterricht fand nur im Winter statt, und zwar in einer Stube, die gleichzeitig das Wohnzimmer des armen Lehrers war. Während des Unterrichts musste der Lehrer gleichzeitig spinnen, um sein Leben zu fristen. Der erste Pastor in Augustdorf hieß Voigt und war ein Sohn des Superintendenten Voigt aus Lüdenhausen. Aber dieser erste Pastor taugte nicht viel. Er war ein Nachtschwärmer und kam mitunter am Sonntagmorgen kurz vor dem Gottesdienst ins Dorf zurück, nachdem er die ganze Nacht irgendwo gefeiert hatte. So stieg er dann auf die Kanzel. Alle Vierteljahr musste er von der Regierung in Detmold sein Gehalt holen. Auch die Förster holten ihr Gehalt. Man kehrte dann im Hiddeser Kruge ein. Wieder einmal saß man bis Mitternacht beisammen. Auf einmal sagte einer der Förster, sein Gehalt sei weg. Man fand das Geld in der Tasche unseres Dörner Pastors, der aber sagte, er wüsste nicht, wie das Geld in seine Tasche gekommen sei. Die Augustdorfer standen jetzt zu ihrem Pastor und waren der Meinung, man habe ihrem Pastor einen bösen Streich gespielt. Aber Pastor Voigt wurde vom Konsistorium fristlos entlassen und wanderte nach Amerika aus, wo er in einem Büro tätig war.
Alten Landwegen folgten die Straßen
Die ersten Augustdorfer haben oft gehungert. Aus dem Jahren 1790-1800 wird von einem Buse Nr. 57 berichtet. Schon drei Tage hatte die Familie kein Brot gegessen. Dann machten sich Vater und Sohn auf den Weg ins Preußische, um erstmalig zu betteln. Aber sie wurden gleich im ersten Hause böse abgewiesen, man ließ die Hunde auf sie los. Sie machten sich gleich wieder auf den Heimweg. Aber sie hatten keine Kraft mehr und kauerten sich an die Erde dicht zusammen, um zu sterben. Glücklicherweise kamen Fuhrleute aus dem Preußischen vorbei, die aus dem Walde Holz fuhren. Sie erbarmten sich unserer beiden Senner und gaben ihnen Brot, auch für ihre Angehörigen. Die Sage berichtet, dass die Fuhrleute den ganzen Tag nicht hungrig wurden, weil die Freude über die gute Tat ihnen Kraft gab. 1813/14 wurde Haferbrot von der Regierung an die Augustdorfer billiger verteilt. Die napoleonischen Kriegswirren hatten diese Not verursacht. 1847/48 war die letzte Hungersnot in Deutschland. Aus der Chronik in Schlangen wird berichtet, dass die Leute Baumrinde gegessen haben, nur um das nackte Leben zu erhalten.
1855 kam die Senneteilung zum Abschluß. Fünf Jahre war um sie gerungen worden. Die Augustdorfer bekamen 4000 Scheffelsaat, pro Kuh 10 Scheffelsaat, Pivitsheide erhielt 1400 Scheffelsaat, pro Kuh 7 Scheffelsaat, und die fürstliche Rentkanmmer erhielt 600 Scheffelsaat, nämlich die Kammersenne. Die Stätte Nr. 51, mein Urgroßvater Conrad Böger, erhielt durch die Senneteilung 52 Scheffelsaat zugewiesen. 50 Scheffelsaat hat er außerdem selbst hinzuerworben. Sodann gehörten zur Stätte schon 32 Scheffelsaat Ackerland. Am 24. Januar 1853 wurde dieser Conrad Böger in einer aufregenden Wahl im Frohnenkruge zum Bürgermeister gewählt. Vorher war sein Onkel Henrich Böger, Nr. 82, etwa 10 Jahre lang Bürgermeister gewesen. Henrich Böger war Pietist und stand im Gegensatz zu dem liberalen Pastor Krecke. Es fanden harte kirchliche Kämpfe statt. Aber die Pietisten blieben in ihrer Kirche. Der Sohn von Conrad Böger, mein Großvater Wilhelm Böger, wurde ebenfalls Bürgermeister, sodass rd. 60 Jahre lang das Amt des Bürgermeisters in den Händen dieser drei Bögers war. In die Zeit des Großvaters fiel der erste Straßenbau in Augustdorf. Vorher gab es nur Landwege. Kraft seines Amtes war der Großvater Mitglied des Amtsgemeindetages in Lage. Nach mündlicher Überlieferung war die Abstimmung im Amtsgemeindetag über den Straßenbau in Augustdorf sehr spannend. Bei der Abstimmung fehlte an der Mehrheit eine Stimme, wie der Großvater schnell festgestellt hatte. Er rief dann: „Herr Baron!“ Gemeint war der Herr Baron von Blomberg in Iggenhausen. Nun hob auch dieser langsam seine Hand und der Straßenbau war damit zum Unwillen des Amtsvogtes genehmigt. Aber auch die Augustdorfer waren nicht alle für den Straßenbau. Ein Teil vertrat die Meinung, die Ochsen könnten auf den Steinen nicht gehen. Mein Großvater hatte bei anderer Gelegenheit dem Baron von Blomberg in einer Abstimmung geholfen. Dieser wollte nicht immer selbst zur Sitzung kommen, sondern einen Vertreter schicken können.
Wenn man bedenkt, dass heute Augustdorf eins der größten Dörfer Lippes ist  – über dreitausend Einwohner -  so wird die Entwicklung deutlich.

 
Geschickt von Helmut Boeger, Osnabrueck



'B o e g e r'   in Germany

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Leonhard Boeger
* 1811     + 1881
Regina Muerköster
*1818     + 1894
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Johannes Boeger Wilhelm Boeger Bernhard Boeger Gertrud Boeger Elisabeth Boeger
Elisabeth zu Rath  Maria Stieren Maria Koch Anton Möller Wilhelm Mertens
Kinder: Kinder: Kinder: Kinder: Kinder:
Regine Regine Johannes 1885 Leonhard Johannes
Leonhard Johanna Wilhelm  1887 Johannes  Gertrud
Fernand Wilhelm Engelbert 1889 Wilhelm Berndine
Maria Elisabeth Regine      1891 Elisabeth  Bernhard
Gertrud  Maria Anton       1892 Therese Maria
Elisabeth Gertrud    1894 Regine
Leonhard   1898 Andreas
Johannes   1911



'Boeger' round the world

B R A Z I L
from Walter Boeger (email: wboeger@ufpr.br)
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Walter Hermann Karl Eduard Boeger
married to Johanna Boeger (I.) moved before 1930 from Minden to Brazil (Santa Catarina and Rio Grande) married to
Dr. Ilse Nordmann Boeger (II.)
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                                    |                                |                              |                                         |
married to:
Lucia Maria Pereira Boeger
Wolfgang Dietrich Hans Walter Boeger Traut Boeger Eva Maria Boeger Julio Boeger
            |                              |                               |                            |                            |
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                               |                                 |                      |       Marco Aurelio            2 Children
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              |                              |
   Walter                   Heidi Louise
 


U S A   I
from Jerry B. Boeger
(www.salis.net/~area - email: area@salis.net)
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August Henry Boeger married to:   ?
moved from somewhere around Detmold to Morrison; Missouri

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                 |                                     |                                     |                                      |
R. C. Boeger
married to: Robin
Henry Boeger Louis Boeger Charles Boeger
1972 BS in Agriculture
now: Professional Real Estate Firm called A.R.E.A. (which is dba for Agricultural Real Estate Analysts)
owned a bank in Morrison lived in Lexington
Children: NO children Children: Children:
Crystal George Boeger
+ December 2001
Hedwik "Heddie" Fauss
(lived in Sun City, AZ)
2 daughters
Howard August Henry Boeger
+ Dec. 7th, 1977
                 |
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Howard August Henry Boeger
* ?      -     + Dec. 7th, 1977
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                                                      |                                            |
married to: Robin Jerry Bob Boeger 
(age 51)
Donna Beth Boeger McAdams
(lives in Salisbury, Missouri)
married to: ??
                   |                                |                                         |
                            Children:                                              Children:
                  ---------------------------                          -----------------------
                   Joshua Howard (age 23)                                         Holly
                   Jeffrey August (age 19)                                        Troy
                                                                                              Kynal



U S A   II

extracts from: 'Downers Grove and Lisle Township Cemetery Index'
(http://www.dcgs.org/downers/page18.htm - from: DuPage County (IL) Genealogical Society)


SURNAME GIVEN NAME NEE BORN DIED
Boeger Mary M*/Warkentien 1854 1934
Boeger Emil 1879 1944
Boeger Arthur 1918
Boeger Louis 1874 1950
Boeger Louise Evers 1850 1908
Boeger Maria Elisabeth Altrens 1820 1873
Boeger Wilfried W. F. 1912 1912
Boeger Martha Puscheck 1890 1971
Boeger William F. 1886 1943
Boeger Wilhelm 1850 1927
Boeger Nellie Thiele 1885 1962
Boeger Otto Eduard 1884 1903
Boeger Louisa M*/Warkentien 1845 1908
Boeger Malinda 1876 1955
M* = married



 

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