Auch diese Zeilen stammen wiederum aus
den Memoiren des o.g.. Es soll hier nur ein kleiner Ausschnitt aus dem
umfangreichen Werk wiedergegeben werden. Weitere Datem zum Leben des Erich
Mangelsdorf sind am Ende des Textes aufgelistet.
"Erhebe ich von meinem Schreibtischplatz
den Blick zur rechten, so umschließt er still lächelnd das einzige
Bild, das ich wieder von meiner alten Heimatstadt besitze, eine Radierung
des einstigen Küsterhauses „am alten Kirchhof“, gefertigt von dem
schon genann5ten heimischen Künstler Wersterfrölke. Das windschief
heimelig anmutende Fachwerkhaus mußte mit der ganzen südlichen
Häuserumrandung des Kirchhofes den Verkehrsbedürfnissen der aufstrebenden
Stadt geopfert werden. Aber mit diesem Hause steht vor meinem inneren Auge
der einstige, noch unversehrte Mittelpunkt der alten kleinen Heidestadt
mit ihrer ehrwürdigen romanischen Walten Kirche“ aus dem 13. Jahrhundert
und dem sie umschließenden Ring alter, zum Teil mit Schiefer bedeckter
Fachwerkhäuser, zwischen denen an einer Stelle über eine sechsstufige
Treppe, der sogenannten „kleinen Packe“ ein Durchschlupf hinanbführt
zur tiefergelegenen Berliner Straße, vorbei an dem sehr stattlichen
gotischen Rathaus, Vaters jahrzehntelanger Wirkungsstätte, und der
unmittelbar gegenüberliegenden, in reinster Gotik hochstrebenden „Neuen
(Erlöser-)Kirche“, in der wir Kinder alle getauft und meine Schwestern
Emilie und Hanna getraut wurden. Ich wandere weiter bis zu dem „Busche“,
dem früher berüchtigten Kleine-Leute-Viertel –Vat seggetse up
de Buske? Slau di daut!-, ohne ihn zu betreten, biege in die Schulstraße,
hin zu der alten Volksschule, die uns Geschwistern allen den ersten ernst
des Lebens kennen lehrte. Sobald ich den Schulplatz überschritten,
grüßt meinen über die Mauer des früher von Quandt’schen
Gartens ungeduldig lugenden Blick der große Garten und das Haus,
in dem meine Wiege stand, das nach der Straßenfront sehr stattliche
anmutende zweistöckige Bürgermeisterhaus
in der „Neuen Reihe“ Nr. 203 (jetzt: Hohenzollernstraße Nr. 28).
Hier bin ich am 22. Juli 1880 als das sechte von neun Kindern meiner Eltern
geboren.*)· Es gab eine Zeit, gelegentlich der Grundsteinlegung
des Gymnasiums 1852, als der Eingang in diese „Neue Reihe“ von der Münsterstraße
her durch mit Girlanden geschmückten großen Laken dem königlichen
Auge Friedrich Wilhelms IV. verborgen werden mußte, und erst die
Erbauung einiger 2-3stöckiger massiver Steinhäuser nach dem Kriege
70/71, zu denen auch die Bürgermeisterdienstwohnung gehörte,
gab der „Neuen Reihe“ den Rang einer ansehnlicher werdenden gepflasterten
Straße. Mit Nr. 203 fand sie ihr Ende und verlief weiter als Brockhäger
Chaussee.
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*) In der Taufe erhielt ich die Namen Erich
Otto Rudolf; Otto nach Otte von Bismarck, Rudolf nach meinem Patenonkel
Rudolf
Friese, Berlin, einem Bruder von
Mutters Vater, Fabrikant von Eisenwarenerzeugnissen.
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Weitere Daten aus dem Leben des Erich Mangelsdorf:
1880 - 1890.......................erste
Jugendzeit
1980 - 1899.......................Der Gymnasiast
1.4. - 30.9.1899................Der Soldat
(I.R.82 in Goettingen)
1899 - 1904.......................Der Student
(er studierte Medizin an der KAISER WILHELM'S AKADEMIE
FUER DAS MILITAERAERZTLICHE BILDUNGSWESEN, kurz KWA, oder
"Pepiniere" oder "Pfeifhahn" genannt).
15.2.1904 - 14.2.1905......La Charité
und Abschluss der Studienzeit
1905 - 1913....................... Preussische
Sanitaetsoffizier und ab Arzt im Festungsgefaengnis
Koeln/Rh.
1913 - 1914.........................Medizinalbeamter
in Poganitz/Lupow
1914 - 1918.........................Preussischer
Sanitaetsoffizier
1918 - 1925........................Medizinalbeamter
in Deutsch Krone
1925 - 1928.......................Medizinalbeamter
in Hannover
1928 - 1938.......................Medizinalbeamter
in Wilhelmshaven
1938 - 1945.......................Medizinalbeamter
in Karlsbad